
Jedes Jahr sind laut WHO bis zu eine Milliarde Kinder und Jugendliche von physischer, sexueller oder seelischer Gewalt betroffen oder werden vernachlässigt. Das ist beinahe jedes zweite Kind. In vielen Ländern ist Gewalt an Kindern ein Tabuthema – vor allem, wenn sie in der eigenen Familie passiert – auch in Tansania. Nicht selten entgehen so die Täter ihrer Bestrafung und die Opfer leiden still. Um dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken, haben die Salvatorianer vor zwei Jahren ein eigenes Kinderschutzzentrum, das OSHC, ins Leben gerufen. Dort erhalten die Opfer umfassende Hilfe.
Mehr als 60% der Kinder und Jugendlichen in der Gemeinde Morogoro in Tansania erleben Gewalt – ob emotional, körperlich oder sexuell. Dieses erschreckende Ergebnis förderte eine Studie des Rechts- und Psychologieinstitut des örtlichen Jordan University College zu Tage, einer Universität, die 1991 von Salvatorianern ins Leben gerufen wurde.
Eine einzige Anlaufstelle für die Opfer
«Wir haben festgestellt, dass der Missbrauch hier zum Alltag gehört und das grösste Problem ist, dass die Opfer nicht wissen, an welche Stelle sie sich wenden sollen», erzählt uns Virginia Nzamwita, eine Psychologin am Institut. Studenten und Professoren werden aktiv, treten in Kontakt mit Regierungsstellen, Polizei und SOFIA, unserem Projektbüro in Rom. Am Ende aller Mühen und dank grosszügiger Spenden steht im Jahr 2021 die Gründung eines Kinderschutzzentrums, des OSHC. Dabei ist das Zentrum eine Besonderheit, die schon der Name «One Stop Health Center» verrät: Vor Ort arbeiten Sozialarbeiter, Psychologen, Mediziner, Anwälte gemeinsam an einem Fall. Für die Opfer gibt es so eine Anlaufstelle für alles. Der Spiessrutenlauf durch Stationen und Bürokratie entfällt.

Nicht nur Mädchen sind betroffen
Dabei sind die Täter häufig keine Fremden und die Opfer nicht immer Mädchen. Meist passieren die Übergriffe im Nahumfeld und oft sind es gerade Jungen, die betroffen sind. Wie der kleine Xaver*, der im Januar 2023 ins Kinderschutzzentrum kam. Xaver besuchte damals regelmässig seinen Nachbarn Yannis* (63), gemeinsam mit anderen Kindern, um zu spielen. Yannis selbst lebt alleine und nimmt sich der Kinder an. Dies geschieht über Jahre hinweg, ohne dass Xavers Mutter davon weiss, denn sie muss viel arbeiten und für sich und ihre Kinder alleine sorgen. Plötzlich beginnt Xaver immer schwächer auszusehen, er wird regelmässig krank und verliert die Freude daran, mit anderen Kindern zu spielen. Die Mutter bemerkt die Veränderungen ihres Sohnes und bittet Xaver, sich ihr anzuvertrauen. Schliesslich überwindet der Junge seine Scheu und erzählt der Mutter die Wahrheit: Nicht nur er, sondern auch sechs weitere Nachbarskinder werden von Yannis seit Jahren sexuell missbraucht.

Die Mutter bringt ihren Sohn sofort zum nahegelegenen Kinderschutzzentrum der Salvatorianer. Dort wird er von einem Arzt untersucht und der Missbrauch bestätigt sich. Umgehend wird ein Gerichtsverfahren eingeleitet und alle betroffenen Kinder erhalten über das Zentrum eine medizinische, rechtliche und psychologische Unterstützung.
Tabus brechen
Bis heute fanden rund 300 Kinder Hilfe im OSHC. Und die Zahlen steigen weiter, eine Tatsache, die den erfolgreichen Sensibilisierungsmassnahmen in der Region zu verdanken ist. Missbrauch soll nicht mehr länger ein Tabu sein. Man möchte die Familien aufklären, damit Täter nicht länger geschützt und Opfer versteckt werden. Das Zentrum setzt deshalb ganz stark auf Aufklärung, Behandlung und Prävention. Man bietet Beratungen an, sowie medizinische und rechtliche Unterstützung. Im Rahmen von grösseren Kampagnen wird versucht, noch mehr Menschen zum Thema «Gewalt und Missbrauch von Kindern» aufzuklären.
Dies geschieht durch Kooperation mit Medien, durch Pressekonferenzen, Radiosendungen, aber auch durch die Zusammenarbeit mit Schulen und Lehrkräften. So gelingt nicht nur Aufklärung, sondern auch Prävention.
Netzwerk in Gemeinden und Schulen
Um Fälle von Gewalt und Missbrauch einzudämmen, bzw. möglichst auszuschliessen, wurden auch so genannte «Ward Champions» (Strassenwächter) ins Leben gerufen. Das sind hoch angesehene Gemeindemitglieder, die für eine bestimmte Gegend «verantwortlich» sind und deren Aufgabe es ist, mögliche Fälle von Missbrauch im Auge zu behalten und die Opfer an das OSHC zu verweisen. Heute hat das Programm 188 Champions, 67 beteiligte Schulen und über 3’500 «Peer-Educators» in Schulen, die selbst wiederum über 25’000 Schülerinnen und Schüler «ausgebildet» haben. Es besteht zudem eine enge Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei und andere Institutionen. Die Gemeinde Morogoro gründete sogar zwei dem Kinderschutzzentrum ähnliche Einrichtungen, nachdem sie gesehen hatte, wie erfolgreich das OSHC arbeitet.

Einrichtung auf Spenden angewiesen
Das OSHC hilft kostenlos. Möglich wird dies einzig und allein durch Spenden. Die jährlichen Gesamtkosten des Kinderschutzzentrums betragen rund 87’000 CHF. Davon werden nur rund 26’000 CHF für das Personal aufgewendet. Denn bis auf die festangestellte Sozialarbeiterin, arbeiten die meisten Helfer ehrenamtlich für eine kleine Aufwandsentschädigung. Viel wird benötigt für die Ausbildung der Strassenwächter, für die Aufklärungsarbeit an den Schulen und Sensiblisierungskampagnen in den Medien. Die Betroffenen sollen wissen, wohin sie sich wenden können, um Hilfe zu erhalten.
So können Sie helfen
Werden Sie mit uns gemeinsam aktiv für Kinder in Not. Sie schützen sie vor gewaltsamen Übergriffen, geben den Opfern eine Stimme und helfen, Täter zu überführen. Im Kinderschutzzentrum in Morogoro kämpfen Sie gemeinsam mit uns für das Recht aller Kinder auf ein sicheres und gewaltfreies Aufwachsen.
CHF 27.00 garantieren die medizinische Versorgung für eine ganze Woche.
CHF 69.00 sichern die tägliche Arbeit im Kinderschutzzentrum.
CHF 104.00 ermöglichen eine Woche Training der Kinder in den Grundschulen.
Herzlichen Dank!